Flaschenwärmer Dilemma – Nespresso Aeroccino Hack

Leider komme ich in nächster Zeit nicht mehr so häufig zum Bloggen, da meine Frau und ich unsere beiden Zwillingsmäuse versorgen müssen. Man kann sich vorstellen, hier ist viel zu tun. Um so schlimmer, wenn es an so einfachen Dingen scheitert: möglichst schnell und effektiv die Milch auf 37 °C zu erhitzen!

Prinzipiell gibt es zwei verschiedene Systeme im unteren Preissegment auf dem Markt. Entweder man lässt im Flaschenwärmer Wasser verdampfen und die aufsteigende warme Luft erwärmt die Milch/Pre-Nahrung oder es ist ein Wasserbad das recht zügig warm wird. Leider muss man Milch aus dem Kühlschrank und Wasser mit Zimmertemperatur und unterschiedliche Füllmengen beachten. Dadurch wurde unsere Milch immer zu warm (42 °C) oder auch mal zu kalt. Nach den 3,5 Minuten ist man also mit herunterkühlen beschäftigt.

Das Wasserbadsystem bringt die Pfütze Wasser schnell zum Kochen. Nach ca. 4,5 Minuten ist die Milch gut temperiert. Leider muss man fast die ganze Zeit daneben stehen und messen, wann man die Milch herausnehmen kann. Zum Ende gewinnt die Milch in 2 Sekunden 1 Grad. Da muss man wachsam sein und kann sich nicht nebenher noch um andere Sachen kümmern. Was bei Schlafmangel und schreienden Kindern im Hintergrund nicht wirklich einfach ist. Wenn man Pech hat, ist man in der Spüle wieder mit herunterkühlen beschäftigt.

Im 21. Jahrhundert soll es keinen ordentlichen Flaschenwärmer geben? Uns würde es ja auch genügen, wenn man den Inhalt wärmen kann, ohne dabei wie ein Wachhund daneben stehen zu müssen.

So kam ich darauf unseren Nespresso Milchaufschäumer zu modifizieren. Der Aufschäumer hat auch einen zweiten Aufsatz, der die Milch nur rühren kann. Da Babys Milchschaum mit Spucken quittieren, sollte man auch besser nur diesen Aufsatz verwenden 😉 Weiterhin lässt sich der Aufschäumer ganz wunderbar reinigen und mit kochendem Wasser einmal am Tag desinfizieren.

Das Problem war natürlich, dass die Milch auf ca. 60°C erhitzt wird. Also aufgeschraubt und die Schaltung analysiert: Die Heizung wird mit 230 V betrieben und über ein 9 V Relais eingeschalten. Das Rührwerk besteht aus einem 9 V DC Motor, der per Transistor zugeschalten wird. Die 9 V werden von einem nicht galvanisch getrenntem Schaltnetzteil bereitgestellt und für den Mikrocontroller ATTINY44A mit einem 78L05 auf 5 V heruntergeregelt. Die Temperaturmessung erfolgt über einen NTC und 47 kOhm Spannungsteiler an den Analogeingang eins des Tinys.

Obwohl es mich reizen würde ein neues Programm für den Tiny zu schreiben, fehlt mir leider hierfür die Zeit. Mein Angriffspunkt war gefunden: der Spannungsteiler des NTCs. Dazu musste ich erst herausfinden welche Kennlinie der NTC aufweißt. Dazu habe ich genau zwei Messpunkte aufnehmen können:

  • kochendes Wasser 100 °C:
  • aktuelle Zimmertemperatur 25 °C (ja es wird hier im Sommer warm :-/):

Mit Hilfe dieser praktischen Tabelle von dieser Seite, konnte ich recht einfach den B-Wert des NTCs bestimmen und direkt die ADC-Rohrwerte ablesen. Ein hoch auf den Autor dieser Seite/Tabelle.

http://www.afug-info.de/Download/tab/NTC/

Für meine Versuche habe ich die 47 kOhm entfernt und ein langes Kabel mit einem 250 kOhm Spindelpotentiometer angelötet. Als ich mit der Tabelle die neue grobe Richtung ausgemacht habe (ca. 110 kOhm) konnte ich die ersten Tests fahren.

Der neue „Milchaufwärmer“ ist bei unterschiedlichen Füllmengen etwas am driften. Es ist klar, dass beim Abschalten von 100 ml (min -> sonst spritzt der Rühraufsatz) Flüssigkeit noch viel mehr nachgeheizt wird, als bei 250 ml (max -> sonst läuft es über). Für mich ist der neue Widerstand 125.600 Ohm ideal (120 k + 5,6 k in Serie). 250 ml werden auf ca. 38,5 °C erwärmt und kühlen beim Gießen in die Fläschchen auf ca. 37 °C herunter. Weiterhin hat der ATTINY ADC pro Grad noch ca. 8 Digits und nichts geht im Rauschen des ADCs unter!

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Ein kleiner Wermutstropfen ist die Hysterese. Wird ca. 33 °C warme Flüssigkeit eingegossen, springt die Heizung nicht an. Dies ist aber auch kein UseCase für uns. Bei abgekochtem Wasser mit Zimmertemperatur (bis 28 °C) ist es kein Problem.

Möchte man nach dem erhitzen noch Pre-Nahrung einrühren ist es ideal die Taste für zwei Sekunden zu drücken, dann springt nur der Rührer ohne Heizung an und man kann die passenden Messlöffel dazu geben. Andererseits muss man das Gerät dann wieder ausspülen und man kann natürlich auch das Fläschchen schütteln.

Wie bei allen Flaschen- und Milchwärmern gilt natürlich Kopf einschalten! Das Gerät kann 1000 mal funtionieren und dann die Milch viel zu heiß machen. Fühlen und Nachmessen bleibt also auch bei dieser Konstruktion pflicht.

Hinweise zum Öffnen:

Für die Spezialschrauben auf der Unterseite lässt sich recht einfach ein passender Schlitzschraubendreher finden. Nach dem Aufschrauben (Schrauben fallen nicht heraus) bitte nur mit der Hand den metallenen Teil nach oben ziehen. Der Taster bleibt drin und darf nicht versucht werden vorher herauszubekommen, da ihr ihn sonst beschädigt. Das Unterteil und das Oberteil sind nur durch einen O-Dichtring und zwei Steckkontakten gehalten. Es sollte auch nicht zu sehr oder gar nicht gedreht werden, beim herausziehen.

Fazit:

Meine Frau und ich sind absolut zu frieden. Wir können innerhalb von 25 Sekunden auf Knopfdruck die kühlschrankkalte Milch auf 38 °C erwärmen und müssen dazu nicht mal daneben stehen, da es passend abschaltet. In die Fläschchen kippen, noch mal nachmessen und fertig! Das spart Nerven!

IMG_4309

Der umgebaute Aeroccino ist von seinem orginalem Kollegen nicht zu unterscheiden.

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6 Antworten zu Flaschenwärmer Dilemma – Nespresso Aeroccino Hack

  1. lowcurrent schreibt:

    Sehr schönes Projekt. Ich kann das Problem noch sehr gut nachvollziehen 🙂

  2. Danke!

    Die letzten Tage haben gezeigt, dass wir schon einige Stunden an der Zubereitung sparen konnten und diese dann besser mit den Kindern nutzen konnten. Temperaturen kontrollieren wir bei jeder Flasche. Zwischen 36,2 und 37,6 Grad C liegt es immer (bei 200 bis 250 ml Füllung).

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